wir schreiben eine Geschichte
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Amadeus
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Re: wir schreiben eine Geschichte
Jä, immerhin isch es diesmal kei Münze. Aber Mausi und es mysteriöses Glas... das cha eigentlich nume schiefgah.
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VatrenaLina
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Re: wir schreiben eine Geschichte
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Seitenzauber
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Re: wir schreiben eine Geschichte
Seitenzauber betrachtete zuerst Pinoccio.
Dann das Buch.
Dann wieder Pinoccio.
„Danke für die Zusammenfassung.“
Pinoccio nickte zufrieden.
„Gern geschehen.“
„Ich bin mir nur noch nicht sicher, ob ich jetzt besser informiert oder deutlich beunruhigter bin.“
RobinHood meldete sich von ganz hinten.
„Das legt sich.“
„Du sitzt nicht ohne Grund dort hinten, oder?“
Pinoccio antwortete noch bevor Robin den Mund öffnen konnte.
„Nein.“
Mausi lachte vom Fenster her.
„Dort hinten ist er wenigstens weit genug von allem entfernt, was man anfassen könnte.“
Pinoccio sah zu ihr.
„Ein sehr vernünftiger Gedanke.“
RobinHood schüttelte den Kopf.
„Ich werde hier vollkommen zu Unrecht behandelt.“
„Das behaupten Schüler auf den hinteren Plätzen erstaunlich häufig“, sagte Pinoccio.
Seitenzauber musste lachen.
„Gut. Dann hätten wir zumindest geklärt, dass Pinoccios Unterricht wieder läuft.“
Vor ihr lag noch immer das alte Buch.
DIE VERLORENE BRAUT.
Der Einband war dunkelrot, die Buchstaben beinahe vollständig verblasst.
Miamor stand direkt neben ihr und sah das Buch an, als wäre Weihnachten.
„Na, wenn das nicht nach Liebe aussieht.“
Seitenzauber strich vorsichtig mit einem Finger über den Einband.
„Nach Liebe vielleicht. Aber bei unserem bisherigen Glück vermutlich nach Liebe mit mindestens drei Familiengeheimnissen, zwei verschwundenen Personen und einem Haus, in dem niemand den Keller betreten sollte.“
Mausi kam vom Fenster herüber.
„Solange es dort irgendwo etwas zu trinken gibt, könnte ich damit leben.“
Seitenzauber sah sie an.
„Ich vermute, du meinst nicht Wasser.“
Mausi grinste.
Flo sagte:
„Das wird wieder teuer.“
Pinoccio seufzte.
„Und wir sind noch nicht einmal durch die erste Seite.“
Seitenzauber öffnete das Buch.
Die erste Seite war leer.
Die zweite ebenfalls.
Auf der dritten stand nur ein einziger Satz:
WENN DU DIE BRAUT FINDEN WILLST, FINDE ZUERST DEN MANN, DER SIE VERGESSEN HAT.
Miamor seufzte begeistert.
„Na bitte.“
Mausi beugte sich über die Seite.
„Wie kann man denn eine Braut vergessen?“
„Eine berechtigte Frage“, sagte Seitenzauber.
RobinHood rief:
„Vielleicht waren es zu viele Hochzeiten.“
Pinoccio zeigte wortlos nach hinten.
„Ich sitze doch schon!“
Plötzlich bewegten sich die Buchstaben.
Die Schrift auf der Seite veränderte sich.
DIE WAHRHEIT LIEGT DORT, WO ALLES BEGANN.
Dann wurde die Seite schwarz.
KnipsKeks hob automatisch ihre Kamera.
Mausi sah sie an.
„Vielleicht diesmal nicht gleich fotografieren.“
KnipsKeks senkte die Kamera.
Seitenzauber hob die Augenbrauen.
„Das ausgerechnet von dir.“
Mausi grinste.
„Ich lerne dazu.“
Pinoccio nickte zufrieden.
„Es gibt Hoffnung.“
Mit einem Mal wurde es kalt im Ballsaal.
Die Kerzen flackerten.
Das weisse Kleid mit dem Namen Katarina begann sich erneut zu bewegen.
Mausi trat näher an Seitenzauber.
„Das Kleid hat sich vorhin nicht so bewegt.“
„Nein.“
„Dann gefällt mir das nicht.“
„Mir ebenfalls nicht.“
Das Kleid schwebte langsam durch den Raum und blieb vor einer Wand stehen.
Dort war vorher nichts gewesen.
Jetzt erschien langsam eine Tür.
Altes Holz.
Messinggriff.
Darüber hing ein kleines Schild:
SPLIT 1986
AdrianaMare trat näher.
„Split?“
Mausi zeigte auf die Jahreszahl.
„Und wieder sind wir irgendwo, wo wir eigentlich gar nicht sein dürften.“
Amadeus sagte:
„Solange niemand das Wort Zeitreise benutzt.“
Seitenzauber sah ihn an.
„Du hast es gerade selbst benutzt.“
„Stimmt.“
Mausi lachte.
Seitenzauber blätterte weiter.
Auf der nächsten Seite war eine Zeichnung.
Eine junge Frau.
Ein Marktplatz.
Ein Mann mit dunklem Mantel.
Und im Hintergrund das Meer.
Darunter stand:
KATARINA WARTETE JEDEN FREITAG.
ABER ER KAM NIE.
Miamor legte eine Hand aufs Herz.
„Oh nein.“
Seitenzauber sah sie von der Seite an.
„Bitte noch nicht leiden. Wir haben gerade einmal zwei Sätze.“
Mausi deutete auf die Zeichnung.
„Vielleicht ist er doch gekommen.“
Alle sahen sie an.
„Warum denkst du das?“
„Weil sie auf dem Bild gar nicht in seine Richtung schaut.“
Seitenzauber betrachtete die Zeichnung genauer.
Tatsächlich.
Katarina stand mit dem Rücken zu dem Mann.
Pinoccio trat näher.
„Das ist interessant.“
Mausi grinste.
„Siehst du. Ich kann auch etwas anderes als Aperol.“
Flo lachte.
„Des muss i mir merken.“
Seitenzauber sah ihn an.
„In Hochdeutsch, bitte.“
Flo hob die Hände.
„Ich sage nichts mehr.“
Das Buch blätterte plötzlich von selbst weiter.
Eine neue Seite.
Diesmal ein Brief.
Nur wenige Zeilen waren lesbar:
Katarina,
ich war dort.
Jeden Freitag.
Aber du hast mich nie gesehen.
Miamor wurde still.
Mausi zeigte sofort auf den Brief.
„Dann hatte ich recht.“
Seitenzauber nickte.
„Offenbar.“
„Das wird langsam unheimlich.“
„Das war es schon lange.“
Pinoccio betrachtete die Tür.
„Die Frage ist also nicht, warum er nicht kam.“
Mausi ergänzte:
„Sondern warum sie ihn nicht sehen konnte.“
Seitenzauber lächelte.
„Genau.“
RobinHood rief von hinten:
„Vielleicht war er unsichtbar.“
Mausi drehte sich zu ihm.
„Oder du hast schon deine fünf Bier.“
Alle lachten.
RobinHood sah beleidigt aus.
„Hier wird wirklich alles gegen mich verwendet.“
Die Tür mit der Aufschrift SPLIT 1986 öffnete sich.
Dahinter lag kein Zimmer.
Sondern eine Strasse.
Warme Abendluft.
Steinhäuser.
Musik aus einem offenen Fenster.
Der Geruch von Meer und Kaffee.
Und irgendwo in der Ferne Kirchenglocken.
Mausi schnupperte.
„Kaffee.“
Dann noch einmal.
„Und irgendwo riecht es nach Orangen.“
Seitenzauber sah sie an.
„Orangen?“
„Ganz sicher.“
Flo grinste bereits.
„Das beginnt wieder.“
Mausi zeigte warnend auf ihn.
„Sag nichts.“
Die Gruppe ging durch die Tür.
Natürlich alle.
Denn offenbar hatte inzwischen niemand mehr die Kraft, darüber zu diskutieren, ob das vernünftig war.
Sie standen auf einem kleinen Platz.
Menschen gingen an ihnen vorbei, ohne sie zu beachten.
Nur eine ältere Frau am Rand des Platzes sah direkt zu ihnen.
Sie trug einen Korb.
Darin Gemüse, Brot und Kräuter.
Mausi sah sofort auf den Korb.
„Da sind Orangen.“
Seitenzauber folgte ihrem Blick.
Tatsächlich lagen ganz unten drei Orangen.
Die ältere Frau musterte die Gruppe.
Dann sah sie zu Seitenzauber.
„Ihr seid spät.“
„Entschuldigung?“
„Sehr spät.“
Mausi flüsterte:
„Nicht schon wieder.“
Die Frau deutete auf das Buch.
„Darauf, dass endlich jemand versteht, was darin steht.“
Miamor sagte:
„Jetzt wird es gut.“
Mausi sah sie an.
„Du freust dich wirklich über alles, was kompliziert wird.“
„Natürlich.“
„Das macht mir Sorgen.“
Die Frau lächelte.
„Katarina ist nicht verschwunden.“
Alle wurden still.
„Wo ist sie dann?“, fragte Seitenzauber.
„Sie hat gewartet.“
„Auf wen?“
„Auf jemanden, der nie zu spät war.“
Mausi runzelte die Stirn.
„Dann stimmt etwas mit der Zeit nicht.“
Amadeus sah zu ihr.
„Sag das nicht.“
„Warum?“
„Weil bei uns aus solchen Sätzen immer sofort etwas passiert.“
In diesem Moment schlug die Kirchenglocke.
Einmal.
Zweimal.
Dreimal.
Dann sprang der Zeiger einer Uhr am Platz rückwärts.
Amadeus schloss die Augen.
„Natürlich.“
Mausi grinste.
„Ich habe dich gewarnt.“
Die ältere Frau drehte sich um und ging langsam davon.
Seitenzauber rief:
„Warten Sie!“
Die Frau blieb stehen.
„Wenn ihr die Wahrheit wissen wollt, kommt morgen früh auf den Markt.“
Dann sah sie noch einmal auf das Buch.
„Und bringt das mit.“
Mausi rief:
„Und die Orangen?“
Die Frau lächelte nur.
Flo lachte.
„Du hast Sorgen.“
„Die sind mir wenigstens verständlich.“
Die Frau verschwand zwischen den Häusern.
Seitenzauber blickte in den Korb, den sie zurückgelassen hatte.
Mausi war schneller.
„Da liegt etwas unter den Orangen.“
„Bitte nicht einfach hineingreifen.“
„Ich greife nicht. Ich zeige nur.“
Pinoccio sah beeindruckt aus.
„Sie lernt tatsächlich.“
Seitenzauber schob die Orangen vorsichtig zur Seite.
Darunter lag ein kleiner Zettel.
FRAGT JADRANKA.
„Nun, das ist wenigstens einmal eindeutig.“
„Endlich“, sagte Pinoccio. „Eine klare Anweisung.“
Am nächsten Morgen standen sie tatsächlich auf dem Markt.
Fast alle.
RobinHood erschien einige Minuten später und behauptete, dies sei für seine Verhältnisse ausgesprochen pünktlich.
Mausi schaute auf eine Uhr.
„Wir sagen lieber nichts.“
Pinoccio nickte.
„Eine gute Entscheidung.“
Zwischen Obstständen, Gemüse, Brot, Kräutern und dem Stimmengewirr entdeckte Adriana schliesslich die Frau vom Vorabend.
Sie stand hinter einem Marktstand und redete mit einer älteren Dame.
Als die beiden die Gruppe sahen, verstummten sie.
Die ältere Dame musterte jeden Einzelnen.
Dann blieb ihr Blick bei dem Buch hängen.
„Ihr habt es also wirklich gefunden.“
Seitenzauber trat vor.
„Sind Sie Jadranka?“
Die Frau nickte.
„Und Sie wissen, was mit Katarina passiert ist?“
Jadranka antwortete nicht.
Stattdessen nahm sie das Buch, schlug es auf und blätterte mehrere Seiten weiter.
Mausi stand sofort neben Seitenzauber.
„Diese Seiten waren gestern leer.“
Jadranka sah sie an.
„Gestern war auch noch nicht heute.“
Mausi schaute zu Pinoccio.
„Hilft dir das weiter?“
„Nicht im Geringsten.“
RobinHood sagte:
„Gut, dann bin ich nicht der Einzige.“
Jadranka legte das geöffnete Buch auf den Tisch.
Auf der Seite war ein altes Foto zu sehen.
Eine junge Frau stand vor demselben Marktstand.
Neben ihr ein Mann.
Zwischen beiden stand ein kleines Mädchen.
Miamor beugte sich sofort vor.
„Na bitte, Familie.“
Seitenzauber zeigte auf das Mädchen.
„Wer ist das?“
Jadranka sah sie lange an.
„Das ist die falsche Frage.“
Mausi trat noch näher.
„Dann ist die richtige Frage wieder irgendein Gegenstand.“
Jadranka lächelte.
„Sehr gut.“
Pinoccio sah Mausi an.
„Die Zusammenfassung scheint auch dir geholfen zu haben.“
„Ich habe aufgepasst.“
RobinHood räusperte sich.
„Streberin.“
Mausi sah nach hinten.
„Du sitzt nicht umsonst dort.“
Jetzt musste sogar Pinoccio lachen.
Jadranka zeigte auf die Hand des kleinen Mädchens.
Es hielt etwas Rundes.
Amadeus trat näher.
„Bitte sagt jetzt nicht, dass es wieder eine Münze ist.“
Mausi schüttelte den Kopf.
„Nein. Dafür ist es zu orange.“
Jadranka strich über das Foto.
Das Bild wurde schärfer.
Das runde Ding war ein kleiner orangefarbener Anhänger.
Darauf war ein Glas eingraviert.
Mausi wurde still.
Flo begann zu grinsen.
Miamor lachte.
RobinHood zeigte auf Mausi.
„Jetzt wird es interessant.“
„Kein Wort.“
Seitenzauber musste lächeln.
„Ich fürchte, du hast selbst bemerkt, worauf das hinausläuft.“
„Leider.“
Auf der nächsten Seite erschien langsam eine neue Schrift.
DIEJENIGE, DIE DEN SCHLÜSSEL FINDET,
SOLL NICHT NACH DEM MANN SUCHEN.
SIE SOLL NACH DEM GLAS SUCHEN.
Mausi las den Satz zweimal.
„Das ist jetzt aber schon ziemlich eindeutig.“
Pinoccio nahm seine Brille ab.
„Das wollte ich gerade sagen.“
Mausi sah ihn an.
„Dann war ich schneller.“
„Offensichtlich.“
Jadranka griff unter den Marktstand.
Sie stellte ein Glas auf den Tisch.
Leer.
Daneben eine orangefarbene Flasche.
RobinHood rief:
„Aperol!“
Mausi drehte sich langsam zu ihm.
„Ich sehe es.“
Flo begann endgültig zu lachen.
Miamor hielt sich bereits den Bauch.
Seitenzauber schloss kurz die Augen.
„Nach all den verschwundenen Bräuten, Zeitreisen, geheimnisvollen Briefen und Familiengeheimnissen führt uns die Geschichte ernsthaft zu einem Aperol.“
Mausi nahm das leere Glas.
Alle sahen sie an.
Pinoccio hob sofort einen Finger.
„Vorsichtig.“
„Ich halte nur das Glas.“
„Das haben in dieser Geschichte schon viele kurz vor einer Katastrophe gesagt.“
Mausi stellte es wieder auf den Tisch.
In diesem Moment begann der orangefarbene Anhänger auf dem Foto zu leuchten.
Das Buch blätterte von allein zur letzten Seite.
Darauf erschien:
SIE HAT DEN ERSTEN HINWEIS GESEHEN.
SIE HAT DIE ZEIT BEMERKT.
SIE HAT DEN SCHLÜSSEL ERKANNT.
NUN MUSS SIE ENTSCHEIDEN, WAS MIT DEM GLAS GESCHIEHT.
Mausi starrte auf die Seite.
Dann auf das Glas.
Dann auf die Flasche.
RobinHood grinste.
„Ich hätte eine Idee.“
„Du bist still.“
Pinoccio nickte zufrieden.
Mausi sah zu Seitenzauber.
„Ich glaube, ich weiss jetzt, warum du mich die ganze Zeit so aktiv mitmachen lässt.“
Seitenzauber lächelte.
„Vielleicht.“
„Das war Absicht.“
„Möglicherweise.“
Mausi verschränkte die Arme.
„Na toll.“
Seitenzauber schob ihr das Buch hin.
„Du hast mehr Hinweise entdeckt als wir anderen zusammen. Damit hast du dir das praktisch selbst eingebrockt.“
Mausi sah noch einmal auf den Aperol.
Dann auf das geheimnisvolle Buch.
„Das wird euch noch leidtun.“
RobinHood sagte von hinten:
„Das klingt vielversprechend.“
Seitenzauber musste lachen.
„Mausi, ich fürchte, jetzt gibt es wirklich keinen Ausweg mehr. Du bist dran.“
Dann das Buch.
Dann wieder Pinoccio.
„Danke für die Zusammenfassung.“
Pinoccio nickte zufrieden.
„Gern geschehen.“
„Ich bin mir nur noch nicht sicher, ob ich jetzt besser informiert oder deutlich beunruhigter bin.“
RobinHood meldete sich von ganz hinten.
„Das legt sich.“
„Du sitzt nicht ohne Grund dort hinten, oder?“
Pinoccio antwortete noch bevor Robin den Mund öffnen konnte.
„Nein.“
Mausi lachte vom Fenster her.
„Dort hinten ist er wenigstens weit genug von allem entfernt, was man anfassen könnte.“
Pinoccio sah zu ihr.
„Ein sehr vernünftiger Gedanke.“
RobinHood schüttelte den Kopf.
„Ich werde hier vollkommen zu Unrecht behandelt.“
„Das behaupten Schüler auf den hinteren Plätzen erstaunlich häufig“, sagte Pinoccio.
Seitenzauber musste lachen.
„Gut. Dann hätten wir zumindest geklärt, dass Pinoccios Unterricht wieder läuft.“
Vor ihr lag noch immer das alte Buch.
DIE VERLORENE BRAUT.
Der Einband war dunkelrot, die Buchstaben beinahe vollständig verblasst.
Miamor stand direkt neben ihr und sah das Buch an, als wäre Weihnachten.
„Na, wenn das nicht nach Liebe aussieht.“
Seitenzauber strich vorsichtig mit einem Finger über den Einband.
„Nach Liebe vielleicht. Aber bei unserem bisherigen Glück vermutlich nach Liebe mit mindestens drei Familiengeheimnissen, zwei verschwundenen Personen und einem Haus, in dem niemand den Keller betreten sollte.“
Mausi kam vom Fenster herüber.
„Solange es dort irgendwo etwas zu trinken gibt, könnte ich damit leben.“
Seitenzauber sah sie an.
„Ich vermute, du meinst nicht Wasser.“
Mausi grinste.
Flo sagte:
„Das wird wieder teuer.“
Pinoccio seufzte.
„Und wir sind noch nicht einmal durch die erste Seite.“
Seitenzauber öffnete das Buch.
Die erste Seite war leer.
Die zweite ebenfalls.
Auf der dritten stand nur ein einziger Satz:
WENN DU DIE BRAUT FINDEN WILLST, FINDE ZUERST DEN MANN, DER SIE VERGESSEN HAT.
Miamor seufzte begeistert.
„Na bitte.“
Mausi beugte sich über die Seite.
„Wie kann man denn eine Braut vergessen?“
„Eine berechtigte Frage“, sagte Seitenzauber.
RobinHood rief:
„Vielleicht waren es zu viele Hochzeiten.“
Pinoccio zeigte wortlos nach hinten.
„Ich sitze doch schon!“
Plötzlich bewegten sich die Buchstaben.
Die Schrift auf der Seite veränderte sich.
DIE WAHRHEIT LIEGT DORT, WO ALLES BEGANN.
Dann wurde die Seite schwarz.
KnipsKeks hob automatisch ihre Kamera.
Mausi sah sie an.
„Vielleicht diesmal nicht gleich fotografieren.“
KnipsKeks senkte die Kamera.
Seitenzauber hob die Augenbrauen.
„Das ausgerechnet von dir.“
Mausi grinste.
„Ich lerne dazu.“
Pinoccio nickte zufrieden.
„Es gibt Hoffnung.“
Mit einem Mal wurde es kalt im Ballsaal.
Die Kerzen flackerten.
Das weisse Kleid mit dem Namen Katarina begann sich erneut zu bewegen.
Mausi trat näher an Seitenzauber.
„Das Kleid hat sich vorhin nicht so bewegt.“
„Nein.“
„Dann gefällt mir das nicht.“
„Mir ebenfalls nicht.“
Das Kleid schwebte langsam durch den Raum und blieb vor einer Wand stehen.
Dort war vorher nichts gewesen.
Jetzt erschien langsam eine Tür.
Altes Holz.
Messinggriff.
Darüber hing ein kleines Schild:
SPLIT 1986
AdrianaMare trat näher.
„Split?“
Mausi zeigte auf die Jahreszahl.
„Und wieder sind wir irgendwo, wo wir eigentlich gar nicht sein dürften.“
Amadeus sagte:
„Solange niemand das Wort Zeitreise benutzt.“
Seitenzauber sah ihn an.
„Du hast es gerade selbst benutzt.“
„Stimmt.“
Mausi lachte.
Seitenzauber blätterte weiter.
Auf der nächsten Seite war eine Zeichnung.
Eine junge Frau.
Ein Marktplatz.
Ein Mann mit dunklem Mantel.
Und im Hintergrund das Meer.
Darunter stand:
KATARINA WARTETE JEDEN FREITAG.
ABER ER KAM NIE.
Miamor legte eine Hand aufs Herz.
„Oh nein.“
Seitenzauber sah sie von der Seite an.
„Bitte noch nicht leiden. Wir haben gerade einmal zwei Sätze.“
Mausi deutete auf die Zeichnung.
„Vielleicht ist er doch gekommen.“
Alle sahen sie an.
„Warum denkst du das?“
„Weil sie auf dem Bild gar nicht in seine Richtung schaut.“
Seitenzauber betrachtete die Zeichnung genauer.
Tatsächlich.
Katarina stand mit dem Rücken zu dem Mann.
Pinoccio trat näher.
„Das ist interessant.“
Mausi grinste.
„Siehst du. Ich kann auch etwas anderes als Aperol.“
Flo lachte.
„Des muss i mir merken.“
Seitenzauber sah ihn an.
„In Hochdeutsch, bitte.“
Flo hob die Hände.
„Ich sage nichts mehr.“
Das Buch blätterte plötzlich von selbst weiter.
Eine neue Seite.
Diesmal ein Brief.
Nur wenige Zeilen waren lesbar:
Katarina,
ich war dort.
Jeden Freitag.
Aber du hast mich nie gesehen.
Miamor wurde still.
Mausi zeigte sofort auf den Brief.
„Dann hatte ich recht.“
Seitenzauber nickte.
„Offenbar.“
„Das wird langsam unheimlich.“
„Das war es schon lange.“
Pinoccio betrachtete die Tür.
„Die Frage ist also nicht, warum er nicht kam.“
Mausi ergänzte:
„Sondern warum sie ihn nicht sehen konnte.“
Seitenzauber lächelte.
„Genau.“
RobinHood rief von hinten:
„Vielleicht war er unsichtbar.“
Mausi drehte sich zu ihm.
„Oder du hast schon deine fünf Bier.“
Alle lachten.
RobinHood sah beleidigt aus.
„Hier wird wirklich alles gegen mich verwendet.“
Die Tür mit der Aufschrift SPLIT 1986 öffnete sich.
Dahinter lag kein Zimmer.
Sondern eine Strasse.
Warme Abendluft.
Steinhäuser.
Musik aus einem offenen Fenster.
Der Geruch von Meer und Kaffee.
Und irgendwo in der Ferne Kirchenglocken.
Mausi schnupperte.
„Kaffee.“
Dann noch einmal.
„Und irgendwo riecht es nach Orangen.“
Seitenzauber sah sie an.
„Orangen?“
„Ganz sicher.“
Flo grinste bereits.
„Das beginnt wieder.“
Mausi zeigte warnend auf ihn.
„Sag nichts.“
Die Gruppe ging durch die Tür.
Natürlich alle.
Denn offenbar hatte inzwischen niemand mehr die Kraft, darüber zu diskutieren, ob das vernünftig war.
Sie standen auf einem kleinen Platz.
Menschen gingen an ihnen vorbei, ohne sie zu beachten.
Nur eine ältere Frau am Rand des Platzes sah direkt zu ihnen.
Sie trug einen Korb.
Darin Gemüse, Brot und Kräuter.
Mausi sah sofort auf den Korb.
„Da sind Orangen.“
Seitenzauber folgte ihrem Blick.
Tatsächlich lagen ganz unten drei Orangen.
Die ältere Frau musterte die Gruppe.
Dann sah sie zu Seitenzauber.
„Ihr seid spät.“
„Entschuldigung?“
„Sehr spät.“
Mausi flüsterte:
„Nicht schon wieder.“
Die Frau deutete auf das Buch.
„Darauf, dass endlich jemand versteht, was darin steht.“
Miamor sagte:
„Jetzt wird es gut.“
Mausi sah sie an.
„Du freust dich wirklich über alles, was kompliziert wird.“
„Natürlich.“
„Das macht mir Sorgen.“
Die Frau lächelte.
„Katarina ist nicht verschwunden.“
Alle wurden still.
„Wo ist sie dann?“, fragte Seitenzauber.
„Sie hat gewartet.“
„Auf wen?“
„Auf jemanden, der nie zu spät war.“
Mausi runzelte die Stirn.
„Dann stimmt etwas mit der Zeit nicht.“
Amadeus sah zu ihr.
„Sag das nicht.“
„Warum?“
„Weil bei uns aus solchen Sätzen immer sofort etwas passiert.“
In diesem Moment schlug die Kirchenglocke.
Einmal.
Zweimal.
Dreimal.
Dann sprang der Zeiger einer Uhr am Platz rückwärts.
Amadeus schloss die Augen.
„Natürlich.“
Mausi grinste.
„Ich habe dich gewarnt.“
Die ältere Frau drehte sich um und ging langsam davon.
Seitenzauber rief:
„Warten Sie!“
Die Frau blieb stehen.
„Wenn ihr die Wahrheit wissen wollt, kommt morgen früh auf den Markt.“
Dann sah sie noch einmal auf das Buch.
„Und bringt das mit.“
Mausi rief:
„Und die Orangen?“
Die Frau lächelte nur.
Flo lachte.
„Du hast Sorgen.“
„Die sind mir wenigstens verständlich.“
Die Frau verschwand zwischen den Häusern.
Seitenzauber blickte in den Korb, den sie zurückgelassen hatte.
Mausi war schneller.
„Da liegt etwas unter den Orangen.“
„Bitte nicht einfach hineingreifen.“
„Ich greife nicht. Ich zeige nur.“
Pinoccio sah beeindruckt aus.
„Sie lernt tatsächlich.“
Seitenzauber schob die Orangen vorsichtig zur Seite.
Darunter lag ein kleiner Zettel.
FRAGT JADRANKA.
„Nun, das ist wenigstens einmal eindeutig.“
„Endlich“, sagte Pinoccio. „Eine klare Anweisung.“
Am nächsten Morgen standen sie tatsächlich auf dem Markt.
Fast alle.
RobinHood erschien einige Minuten später und behauptete, dies sei für seine Verhältnisse ausgesprochen pünktlich.
Mausi schaute auf eine Uhr.
„Wir sagen lieber nichts.“
Pinoccio nickte.
„Eine gute Entscheidung.“
Zwischen Obstständen, Gemüse, Brot, Kräutern und dem Stimmengewirr entdeckte Adriana schliesslich die Frau vom Vorabend.
Sie stand hinter einem Marktstand und redete mit einer älteren Dame.
Als die beiden die Gruppe sahen, verstummten sie.
Die ältere Dame musterte jeden Einzelnen.
Dann blieb ihr Blick bei dem Buch hängen.
„Ihr habt es also wirklich gefunden.“
Seitenzauber trat vor.
„Sind Sie Jadranka?“
Die Frau nickte.
„Und Sie wissen, was mit Katarina passiert ist?“
Jadranka antwortete nicht.
Stattdessen nahm sie das Buch, schlug es auf und blätterte mehrere Seiten weiter.
Mausi stand sofort neben Seitenzauber.
„Diese Seiten waren gestern leer.“
Jadranka sah sie an.
„Gestern war auch noch nicht heute.“
Mausi schaute zu Pinoccio.
„Hilft dir das weiter?“
„Nicht im Geringsten.“
RobinHood sagte:
„Gut, dann bin ich nicht der Einzige.“
Jadranka legte das geöffnete Buch auf den Tisch.
Auf der Seite war ein altes Foto zu sehen.
Eine junge Frau stand vor demselben Marktstand.
Neben ihr ein Mann.
Zwischen beiden stand ein kleines Mädchen.
Miamor beugte sich sofort vor.
„Na bitte, Familie.“
Seitenzauber zeigte auf das Mädchen.
„Wer ist das?“
Jadranka sah sie lange an.
„Das ist die falsche Frage.“
Mausi trat noch näher.
„Dann ist die richtige Frage wieder irgendein Gegenstand.“
Jadranka lächelte.
„Sehr gut.“
Pinoccio sah Mausi an.
„Die Zusammenfassung scheint auch dir geholfen zu haben.“
„Ich habe aufgepasst.“
RobinHood räusperte sich.
„Streberin.“
Mausi sah nach hinten.
„Du sitzt nicht umsonst dort.“
Jetzt musste sogar Pinoccio lachen.
Jadranka zeigte auf die Hand des kleinen Mädchens.
Es hielt etwas Rundes.
Amadeus trat näher.
„Bitte sagt jetzt nicht, dass es wieder eine Münze ist.“
Mausi schüttelte den Kopf.
„Nein. Dafür ist es zu orange.“
Jadranka strich über das Foto.
Das Bild wurde schärfer.
Das runde Ding war ein kleiner orangefarbener Anhänger.
Darauf war ein Glas eingraviert.
Mausi wurde still.
Flo begann zu grinsen.
Miamor lachte.
RobinHood zeigte auf Mausi.
„Jetzt wird es interessant.“
„Kein Wort.“
Seitenzauber musste lächeln.
„Ich fürchte, du hast selbst bemerkt, worauf das hinausläuft.“
„Leider.“
Auf der nächsten Seite erschien langsam eine neue Schrift.
DIEJENIGE, DIE DEN SCHLÜSSEL FINDET,
SOLL NICHT NACH DEM MANN SUCHEN.
SIE SOLL NACH DEM GLAS SUCHEN.
Mausi las den Satz zweimal.
„Das ist jetzt aber schon ziemlich eindeutig.“
Pinoccio nahm seine Brille ab.
„Das wollte ich gerade sagen.“
Mausi sah ihn an.
„Dann war ich schneller.“
„Offensichtlich.“
Jadranka griff unter den Marktstand.
Sie stellte ein Glas auf den Tisch.
Leer.
Daneben eine orangefarbene Flasche.
RobinHood rief:
„Aperol!“
Mausi drehte sich langsam zu ihm.
„Ich sehe es.“
Flo begann endgültig zu lachen.
Miamor hielt sich bereits den Bauch.
Seitenzauber schloss kurz die Augen.
„Nach all den verschwundenen Bräuten, Zeitreisen, geheimnisvollen Briefen und Familiengeheimnissen führt uns die Geschichte ernsthaft zu einem Aperol.“
Mausi nahm das leere Glas.
Alle sahen sie an.
Pinoccio hob sofort einen Finger.
„Vorsichtig.“
„Ich halte nur das Glas.“
„Das haben in dieser Geschichte schon viele kurz vor einer Katastrophe gesagt.“
Mausi stellte es wieder auf den Tisch.
In diesem Moment begann der orangefarbene Anhänger auf dem Foto zu leuchten.
Das Buch blätterte von allein zur letzten Seite.
Darauf erschien:
SIE HAT DEN ERSTEN HINWEIS GESEHEN.
SIE HAT DIE ZEIT BEMERKT.
SIE HAT DEN SCHLÜSSEL ERKANNT.
NUN MUSS SIE ENTSCHEIDEN, WAS MIT DEM GLAS GESCHIEHT.
Mausi starrte auf die Seite.
Dann auf das Glas.
Dann auf die Flasche.
RobinHood grinste.
„Ich hätte eine Idee.“
„Du bist still.“
Pinoccio nickte zufrieden.
Mausi sah zu Seitenzauber.
„Ich glaube, ich weiss jetzt, warum du mich die ganze Zeit so aktiv mitmachen lässt.“
Seitenzauber lächelte.
„Vielleicht.“
„Das war Absicht.“
„Möglicherweise.“
Mausi verschränkte die Arme.
„Na toll.“
Seitenzauber schob ihr das Buch hin.
„Du hast mehr Hinweise entdeckt als wir anderen zusammen. Damit hast du dir das praktisch selbst eingebrockt.“
Mausi sah noch einmal auf den Aperol.
Dann auf das geheimnisvolle Buch.
„Das wird euch noch leidtun.“
RobinHood sagte von hinten:
„Das klingt vielversprechend.“
Seitenzauber musste lachen.
„Mausi, ich fürchte, jetzt gibt es wirklich keinen Ausweg mehr. Du bist dran.“
-
Pinoccio
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- Registriert: Mo 8. Jun 2026, 12:38
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Re: wir schreiben eine Geschichte
Du hast den Job treffend zusammengefasst. Nur das Wort «besten» würde ich noch einmal prüfen.
-
Flo
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- Registriert: Mi 12. Aug 2026, 15:43
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Re: wir schreiben eine Geschichte
Na super Mausi.
I darf bedienen, krieg koa Trinkgeld und soll des Schirmli a no selber mitnehmen.
I seh schon, bei euch hab i den besten Job erwischt.
-
RobinHood
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Re: wir schreiben eine Geschichte
Gut, dann warte ich noch. KnipsKeks, bitte erst abdrücken, wenn ich wieder halbwegs versöhnt schaue 
-
Miamor88
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- Registriert: Do 16. Jul 2026, 11:26
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Re: wir schreiben eine Geschichte
Geh Robin, a bissl Mitgefühl hab i eh. Aber wennst so weit hinten sitzt, kommt’s halt später bei dir an 
-
RobinHood
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- Registriert: Do 11. Jun 2026, 11:34
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Re: wir schreiben eine Geschichte
Ich merke schon, Mitgefühl ist hier nicht vorgesehen. 
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Miamor88
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Re: wir schreiben eine Geschichte
Na servas
Pinoccio trifft aber auch jedes Mal genau
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KnipsKeks
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Re: wir schreiben eine Geschichte
I glaub, des Foto wird immer besser. Hinten sitzt da Robin und winkt beleidigt mit einem Finger.
A Madl ausm wunderschönen Tirol