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Re: wir schreiben eine Geschichte
Verfasst: Mi 26. Aug 2026, 19:04
von Seitenwind86
Soll ich diese Geschichte eigentlich verstehen?
Ich versuche wirklich mitzulesen, aber gefühlt sind wir alle paar Beiträge an einem anderen Ort, in einer anderen Zeit oder plötzlich wieder in irgendeinem Bild.
Vielleicht ist genau das ja der Sinn davon.
Re: wir schreiben eine Geschichte
Verfasst: Mi 26. Aug 2026, 12:55
von Mausi
Elfenmaus hat geschrieben: Mi 26. Aug 2026, 11:37
hihi jaaa Mausi

ich such ihn auch mit euch im wald.
aber wenn Robin sich extra versteckt dann ist das gemein
vielleicht sitzt er ja hinter einem baum und lacht uns alle aus.
ich nehme meine elfentaschenlampe mit dann finden wir ihn bestimmt
oder er sitzt au einen auch hoch schauen nicht vergessen

Re: wir schreiben eine Geschichte
Verfasst: Mi 26. Aug 2026, 11:37
von Elfenmaus
hihi jaaa Mausi

ich such ihn auch mit euch im wald.
aber wenn Robin sich extra versteckt dann ist das gemein
vielleicht sitzt er ja hinter einem baum und lacht uns alle aus.
ich nehme meine elfentaschenlampe mit dann finden wir ihn bestimmt

Re: wir schreiben eine Geschichte
Verfasst: Di 25. Aug 2026, 18:03
von Mausi
Elfenmaus hat geschrieben: Di 25. Aug 2026, 17:17
bluemchen du musst Robin finden sonst kann die Geschichte nicht weiter gehen.
Vielleicht hat er sich ja wieder irgendwo versteckt oder ist wirklich im Wald
Aber ohne Robin geht es jetzt nicht weiter also suchen wir ihn.
oooo bist du süüüüüüssssss
Robin huhu Elfenmaus,Mausi und alle andern suchen dich auch im Wald gäu Elfenmaus

Re: wir schreiben eine Geschichte
Verfasst: Di 25. Aug 2026, 17:17
von Elfenmaus
bluemchen du musst Robin finden sonst kann die Geschichte nicht weiter gehen.
Vielleicht hat er sich ja wieder irgendwo versteckt oder ist wirklich im Wald
Aber ohne Robin geht es jetzt nicht weiter also suchen wir ihn.

Re: wir schreiben eine Geschichte
Verfasst: Mo 24. Aug 2026, 19:31
von bluemchen_88
bluemchen_88 stand noch immer vor dem Lehrerpult und sah auf das Klassenfoto mit ihrem Namen.
„Na wunderbar. Jetzt darf ich also auch noch die Geschichte retten.“
Pinoccio hob nur leicht die Augenbrauen.
„Von retten hat niemand gesprochen.“
„Noch besser.“
bluemchen_88 nahm das Foto in die Hand. Kaum berührte sie es, verschwamm das Klassenzimmer um sie herum.
Die Wände wurden heller.
Die Tische veränderten sich.
Die alten Schulranzen verschwanden.
Plötzlich sass bluemchen_88 selbst wieder auf einer Schulbank.
Nicht als Erwachsene.
Sondern als junges Mädchen.
Sie sah an sich herunter.
Jeans.
Turnschuhe.
Ein viel zu schwerer Schulrucksack neben dem Stuhl.
„Das kann jetzt wirklich nicht sein.“
Mausi sah sie an.
„Du bist wieder jung.“
„Das sehe ich selbst.“
Auch die anderen standen plötzlich in einem Schulzimmer, das deutlich moderner wirkte als das von Pinoccio.
An der Wand hingen Poster.
Auf dem Lehrerpult lag ein Stapel Hefte.
Aus einem kleinen Radio in der Ecke lief leise Musik.
bluemchen_88 sah sich um und wurde blass.
„Das ist meine Schule.“
Amadeus sah zu ihr.
„Deine echte Schule?“
„Ja. Und wenn ich mich nicht irre, dann kenne ich sogar den Tag.“
Miamor88 sah neugierig zu ihr.
„Und was ist an diesem Tag passiert?“
bluemchen_88 antwortete zuerst nicht.
Ihr Blick blieb auf der letzten Reihe hängen.
Dort sass ein Junge.
Dunkle Haare.
Lederjacke.
Ein schiefes Lächeln.
Vor ihm lag ein zusammengefalteter Zettel.
bluemchen_88 wurde still.
Mausi bemerkte es sofort.
„Wer ist das?“
„Niemand.“
„So sieht niemand aber nicht aus.“
„Mausi.“
„Ich frage ja nur.“
bluemchen_88 ging langsam zu dem Tisch.
Der Junge hob den Kopf und sah direkt zu ihr.
„Du bist spät.“
bluemchen_88 blieb stehen.
„Das hast du damals auch gesagt.“
Der Junge lächelte.
„Dann erinnerst du dich also.“
Pinoccio trat näher.
„Wer ist er?“
bluemchen_88 nahm den Zettel vom Tisch.
Darauf stand:
Heute nach der Schule. Hinter der Turnhalle. Komm allein.
Sie schloss kurz die Augen.
„Er hiess Daniel.“
VatrenaLina sah sie an.
„Und?“
„Und ich war damals fünfzehn und überzeugt, dass das die ganz grosse Liebe wird.“
Miamor88 lächelte sofort.
„Jetzt wird es interessant.“
„Nein. Jetzt wird es peinlich.“
Die Schulglocke klingelte.
Im selben Augenblick waren alle anderen Schüler verschwunden.
Nur Daniel blieb sitzen.
Er stand auf und ging zur Tür.
„Kommst du?“
bluemchen_88 sah zu den anderen.
„Ich weiss genau, was jetzt passiert.“
Amadeus fragte:
„Dann geh nicht.“
„Das dachte ich mir heute auch.“
Trotzdem folgte sie ihm.
Die anderen gingen hinterher.
Hinter der Turnhalle stand ein zweites Mädchen.
Lange blonde Haare.
Rote Jacke.
Daniel blieb stehen.
bluemchen_88 sah sofort weg.
„Genau deshalb wollte ich diesen Tag nie wieder sehen.“
Das blonde Mädchen trat zu Daniel und küsste ihn.
Mausi riss die Augen auf.
Miamor88 sagte nur:
„Oh.“
bluemchen_88 lachte kurz, aber ohne Freude.
„Ja. Genau.“
Daniel sah erschrocken zu ihr.
„Das ist nicht so, wie es aussieht.“
„Dieser Satz ist wirklich seit Jahrzehnten gleich schlecht.“
Das blonde Mädchen ging einfach davon.
Daniel blieb zurück.
„Ich wollte es dir erklären.“
„Du hattest genug Zeit.“
„Ich hatte Angst.“
„Und deshalb küsst du jemand anderes?“
Niemand sagte etwas.
Selbst Mausi schwieg.
Daniel griff nach bluemchen_88s Hand.
Sie zog sie weg.
„Damals bin ich einfach gegangen.“
„Und heute?“
bluemchen_88 sah ihn an.
„Heute weiss ich, dass ich richtig gegangen bin.“
In diesem Moment begann die Umgebung zu flackern.
Die Schule verschwand.
Der Pausenplatz verschwand.
Daniel verschwand.
Plötzlich stand die ganze Gruppe mitten auf einer beleuchteten Strasse.
Es regnete.
Autos fuhren langsam vorbei.
Auf der anderen Strassenseite leuchtete ein grosses Kino.
Auf dem Plakat war ein verliebtes Paar zu sehen.
Mausi sah sich um.
„Wo sind wir jetzt?“
bluemchen_88 blickte auf das Plakat.
„Nein.“
Miamor88 trat näher.
„Was ist?“
„Den Film kenne ich.“
Auf dem Plakat stand:
Nur ein Sommer mit dir.
Darunter das Bild einer Frau, die zwischen zwei Männern stand.
Amadeus sah zu bluemchen_88.
„Das sieht nicht nach wenig Drama aus.“
„Ist es auch nicht.“
Plötzlich öffneten sich die Kinotüren.
Ein Mann kam heraus.
Gross.
Dunkle Haare.
Weisses Hemd.
Er blieb direkt vor bluemchen_88 stehen.
„Du bist endlich da.“
Sie sah ihn verwirrt an.
„Ich kenne Sie nicht.“
„Doch. Im Film schon.“
Mausi begann zu lachen.
„Jetzt sind wir also wirklich in einem Liebesfilm.“
„Offenbar.“
Der Mann nahm bluemchen_88 bei der Hand.
„Du musst dich entscheiden.“
„Wofür?“
Hinter ihm erschien plötzlich ein zweiter Mann.
Blond.
Lederjacke.
Ein deutlich frecheres Lächeln.
bluemchen_88 sah von einem zum anderen.
„Das ist nicht euer Ernst.“
Miamor88 sagte:
„Doch. Das ist jetzt eindeutig dein Film.“
Der erste Mann sagte:
„Ich habe auf dich gewartet.“
Der zweite:
„Und ich habe dich nie vergessen.“
bluemchen_88 verdrehte die Augen.
„Natürlich. Einer wartet, einer vergisst nie und ich soll jetzt auch noch so tun, als wäre das romantisch.“
Dann erschien auf der Kinoleinwand hinter ihnen plötzlich eine neue Szene.
Man sah bluemchen_88.
Jünger.
Mit Daniel.
Dann dieselbe Szene Jahre später.
Daniel stand allein auf einem Bahnsteig.
In der Hand hielt er einen Brief.
bluemchen_88 wurde ernst.
„Das habe ich nie gesehen.“
Der Film lief weiter.
Daniel öffnete den Brief.
Man hörte seine Stimme:
„Ich habe dich nie vergessen. Ich hatte nur nie den Mut, es dir zu sagen.“
bluemchen_88 stand wie erstarrt.
Mausi fragte leise:
„War das wirklich so?“
„Ich weiss es nicht.“
Auf der Leinwand erschien plötzlich Daniel selbst.
Älter.
Er sah direkt aus dem Film heraus.
„Du bist gegangen, bevor ich dir alles sagen konnte.“
bluemchen_88 trat näher.
„Du hattest deine Chance.“
„Und du hattest Angst, mir noch einmal zuzuhören.“
„Vielleicht.“
„Dann waren wir beide feige.“
Für einen Moment war es still.
Dann erschien auf der Leinwand die blonde Frau von damals.
Sie sah Daniel an und sagte:
„Du hast ihr nie erzählt, dass ich dich geküsst habe und nicht umgekehrt.“
bluemchen_88 wurde blass.
Miamor88 flüsterte:
„Oh nein.“
Daniel sah zu bluemchen_88.
„Ich wollte dich nie betrügen.“
„Warum hast du mir das nicht gesagt?“
„Weil du schon weg warst.“
bluemchen_88 schüttelte langsam den Kopf.
„Jahre. Wegen eines einzigen Moments.“
VatrenaLina sagte leise:
„So öppis passiert schneller, als mer meint.“
bluemchen_88 sah auf die Leinwand.
Daniel stand noch immer dort.
„Was willst du jetzt von mir?“
„Nichts.“
„Nichts?“
„Nur, dass du endlich die Wahrheit kennst.“
Die Leinwand wurde dunkel.
Dann erschien ein neuer Satz:
Manchmal endet eine Liebesgeschichte nicht, weil die Liebe vorbei ist.
Sondern weil niemand mehr den Mut hat, zurückzugehen.
bluemchen_88 schluckte.
Mausi legte ihr eine Hand auf den Arm.
„Das ist jetzt aber wirklich traurig.“
„Ja.“
Plötzlich ging im Kino das Licht aus.
Als es wieder anging, stand bluemchen_88 allein auf der Bühne vor der Leinwand.
Vor ihr lag ein einzelner Brief.
Sie hob ihn auf.
Darauf stand:
Nicht jede Geschichte braucht ein Ende. Manche brauchen nur jemanden, der sie weiterträgt.
Darunter ein Name: RobinHood
bluemchen_88 musste trotz allem lächeln.
„Na gut. Wenn hier schon alles wie ein Märchen, ein Liebesfilm und ein völliges Durcheinander gleichzeitig funktioniert, dann fehlt eigentlich nur noch jemand, den man nicht immer ganz ernst nehmen kann.“
Sie legte den Brief auf den Sitz in der ersten Reihe.
Re: wir schreiben eine Geschichte
Verfasst: Mo 24. Aug 2026, 18:53
von bluemchen_88
Na toll. Genau das hat mir jetzt noch gefehlt.
Kaum frage ich einmal, ob diese Geschichte irgendwann ein Ende nimmt, werde ich natürlich gleich selbst hineingezogen. Sehr witzig, Pinoccio.
Und dann auch noch so schön durch die Blume. Ich soll mich jetzt also gefälligst mit der Geschichte beschäftigen, wenn ich schon darüber meckere.
Gut, verstanden. Begeistert bin ich trotzdem nicht. Aber offenbar komme ich da jetzt sowieso nicht mehr raus.
Re: wir schreiben eine Geschichte
Verfasst: Mo 24. Aug 2026, 17:40
von Pinoccio
Danke Mausi. Dann hat sich die ganze Schreiberei ja wenigstens gelohnt.
Und wenn der Feierabend dadurch noch etwas lustiger wird, umso besser.
Re: wir schreiben eine Geschichte
Verfasst: Mo 24. Aug 2026, 17:29
von Mausi
Re: wir schreiben eine Geschichte
Verfasst: Mo 24. Aug 2026, 12:32
von Pinoccio
Bevor ich auch nur einen einzigen Schritt weitergehe, möchte ich zunächst kurz festhalten, wo wir uns überhaupt befinden. Ich habe nämlich den leisen Verdacht, dass inzwischen nicht nur ich den Überblick verloren habe.
Angefangen hat alles mit einem roten Koffer, alten Liebesbriefen und einem geheimnisvollen Bild. Dann wurde Mausi in dieses Bild gezogen, verwandelte sich vorübergehend in eine Elfe und plötzlich tauchten schwarze Männer, ein Wikingerschiff, ein geheimnisvoller Plan, Feenstaub und allerlei Dinge auf, die mit einer normalen Geschichte nur noch entfernt etwas zu tun hatten.
Später kamen schwebende Steine, eine Plattform, ein altes Schwert, eine römische Münze und mehrere Türen dazu. Amadeus geriet aufgrund eines Dialektmissverständnisses beinahe an einen Abhang, obwohl ursprünglich wohl nur eine Hand gemeint war. Danach verschlug es uns nach Split, wo aus dem Chaos plötzlich ein Liebesdrama um Katarina und Marko wurde.
Dann kamen ein schwarzer Hund, ein altes Haus, eine Frau im weissen Kleid, ein rotes Kleid, ein Spiegel, eingesperrte Personen und erneut geheimnisvolle Türen dazu. Baker wurde eingeschlossen, strubeli housi ebenfalls, Mausi wurde in ein Zimmer gelockt und Amadeus hing diesmal tatsächlich an einer Kante.
Schliesslich erschien ich mit dem alten Schwert, die Türen gingen wieder auf und Mausi erhielt von der geheimnisvollen Frau alte Briefe ihrer Ur Ur Urgrossmutter. Danach löste sich die Frau auf und hinterliess uns im Grunde nur eine einzige sinnvolle Frage: Was um alles in der Welt passiert hier eigentlich?
Damit wären wir ungefähr auf demselben Stand. Zumindest hoffe ich das.
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Pinoccio sah zu Mausi und deutete auf den Stapel alter Briefe in ihren Händen.
„Nun sollten wir vielleicht das tun, was man mit Briefen normalerweise macht. Lesen.“
Mausi gab ihm den obersten Brief.
Das Papier war vergilbt, die Ränder waren brüchig und die Schrift nur noch schwach zu erkennen.
Pinoccio las laut:
„Liebe Anna. Wenn du diesen Brief eines Tages findest, suche den Ort, an dem die Berge den Himmel berühren. Dort begann alles.“
Amadeus sah ihn an.
„Eine ausgesprochen genaue Wegbeschreibung.“
„Immerhin wissen wir jetzt, dass Berge vorkommen“, antwortete Pinoccio.
Er öffnete den nächsten Brief.
Darin befand sich nur eine kleine Zeichnung.
Ein Berg.
Ein See.
Eine alte Hütte.
Und daneben war ein Wort geschrieben.
„Bänkli.“
Pinoccio sah fragend in die Runde.
„Also eine Bank.“
Mausi nickte.
„Ja.“
Pinoccio betrachtete die Zeichnung genauer.
„Dann suchen wir also eine Bank bei einer Hütte an einem See in den Alpen. Das grenzt die Sache ausserordentlich ein.“
strubeli housi musste lachen.
Pinoccio sah ihn an.
„Was ist daran nun schon wieder lustig?“
„Es ist eben eher ein kleines Sitzbänkchen.“
Pinoccio hob die Augenbrauen.
„Ich hatte verstanden, dass es eine Bank ist.“
Mausi begann ebenfalls zu lachen.
Pinoccio sah von einem zum anderen.
„Sehr schön. Kaum glaube ich, einen schweizerdeutschen Begriff richtig verstanden zu haben, stellt sich heraus, dass ich offenbar trotzdem falsch liege.“
Amadeus grinste.
„Nach der Sache mit Hand und Hang sind wir doch einiges gewohnt.“
„Genau deshalb hätte ich gern, dass heute niemand mehr irgendwelche mehrdeutigen Wörter verwendet.“
In diesem Moment begann die römische Münze in Amadeus’ Hand zu glühen.
Pinoccio sah sie an.
„Natürlich.“
Das Haus begann zu beben.
Die Wände verschwammen.
Der Boden unter ihnen wurde weich.
Mausi rief erschrocken auf.
Elfenherz hob ihren Zauberstab.
Dann war alles weg.
Als Pinoccio die Augen wieder öffnete, stand er mitten im Schnee.
Vor ihnen erhoben sich hohe Berge. Unterhalb lag ein dunkler See. Ein schmaler Weg führte zu einer alten Alphütte.
Mausi sah an sich herunter.
„Warum trage ich plötzlich andere Kleider?“
Auch die anderen hatten sich verändert. Alte Wolljacken, schwere Schuhe und Kleidung, die eindeutig nicht aus ihrer Zeit stammte.
Pinoccio ging zu einem alten Wegweiser.
Darunter war eine Jahreszahl eingeritzt.
1958.
Er sah zurück zu den anderen.
„Wir haben nicht nur den Ort gewechselt.“
Amadeus trat näher.
„Sondern?“
„Die Zeit.“
Niemand sagte etwas.
Dann hörten sie Kuhglocken.
Weiter unten stand tatsächlich die Hütte aus der Zeichnung.
Davor eine kleine Holzbank.
Pinoccio zeigte darauf.
„Das dürfte dann wohl unser Bänkli sein. Diesmal hoffentlich ohne sprachliche Überraschung.“
Sie gingen den Weg hinunter.
Doch je näher sie der Hütte kamen, desto merkwürdiger wurde alles.
Der Schnee verschwand.
Die Luft wurde wärmer.
Die Kuhglocken verstummten.
Stattdessen waren Stimmen zu hören.
Kinderstimmen.
Dann ertönte eine Glocke.
Pinoccio blieb stehen.
„Das ist keine Kirchenglocke.“
Vor ihnen war die Alphütte verschwunden.
An ihrer Stelle stand ein altes Schulhaus.
Grauer Putz.
Hohe Fenster.
Ein kleiner Pausenplatz.
Über dem Eingang stand eine Jahreszahl.
1971.
Pinoccio wurde still.
Mausi sah ihn an.
„Was ist los?“
Er antwortete zuerst nicht.
Dann ging er langsam auf das Gebäude zu.
„Ich kenne dieses Schulhaus.“
Die Eingangstür ging auf.
Ein Junge rannte heraus.
Vielleicht vierzehn Jahre alt.
Pinoccio blieb wie angewurzelt stehen.
Der Junge lief direkt an ihnen vorbei.
Amadeus sah zuerst dem Jungen nach und dann Pinoccio an.
„Das bist du.“
Pinoccio nickte langsam.
„Ja.“
Mausi musterte ihn und grinste.
„Du hattest ja Haare.“
Pinoccio sah sie an.
„Natürlich hatte ich Haare.“
„Ich wollte es nur erwähnen.“
„Eine ausgesprochen wichtige historische Erkenntnis.“
Sie betraten das Schulhaus.
Im Gang roch es nach Kreide, Holz, Papier und Bohnerwachs.
Pinoccio wurde mit jedem Schritt stiller.
Er blieb vor einer Klassenzimmertür stehen.
Klasse 2b.
„Wenn das wirklich der Tag ist, an den ich denke, dann wird es jetzt interessant.“
Er öffnete die Tür.
Im Klassenzimmer sassen etwa zwanzig Jugendliche.
Vorne hing eine grosse Landkarte.
Auf dem Lehrerpult lagen Hefte.
An der Wand standen Schulranzen.
In der dritten Reihe sass der junge Pinoccio.
Mausi sah zwischen beiden hin und her.
„Das ist schon etwas seltsam.“
„Das können Sie laut sagen.“
Doch Pinoccios Blick ging bereits weiter.
Ganz hinten sass ein Mädchen.
Vor ihr lag ein altes Heft.
Auf dem Umschlag war ein goldenes Herz.
Dasselbe Herz, das sie seit Beginn der Geschichte verfolgte.
Pinoccio ging langsam näher.
„Das kann nicht sein.“
Das Mädchen öffnete das Heft.
Darin lagen Briefe.
Mausi hob sofort ihren eigenen Stapel hoch.
Es waren dieselben.
„Wer ist das?“
Pinoccio betrachtete das Mädchen.
Dann den Namen auf ihrem Heft.
Anna.
Er sah zu Mausi.
„Wenn ich mich nicht vollkommen irre, sitzt dort deine Ur Ur Urgrossmutter.“
Mausi starrte ihn an.
„Aber die kann doch nicht so jung sein.“
„Genau.“
Anna drehte sich plötzlich um.
Sie sah direkt zu ihnen.
Kein anderer Schüler reagierte.
Nur sie.
„Ihr seid spät.“
Pinoccio trat einen Schritt nach vorn.
„Du kannst uns sehen?“
Anna nickte.
„Ich habe auf euch gewartet.“
Mausi hielt die Briefe fest an sich.
„Warum auf uns?“
Anna stand auf.
„Weil die Geschichte hier angefangen hat.“
Pinoccio sah zum jungen Pinoccio in der dritten Reihe.
„Was habe ich damit zu tun?“
Anna ging zur Wandtafel.
Sie nahm ein Stück Kreide.
Langsam schrieb sie:
Jeder Anfang braucht einen Zeugen.
Dann schrieb sie darunter:
Und manchmal muss man zurückgehen, bevor man weitergehen kann.
Plötzlich verschwand das Stimmengewirr.
Die Schüler waren weg.
Die Tische leer.
Der junge Pinoccio war verschwunden.
Nur Anna stand noch an der Tafel.
Draussen begann es zu schneien.
Mitten im Klassenzimmer.
Mausi sah nach oben.
„Jetzt schneit es sogar hier drin.“
Pinoccio seufzte.
„Ich habe das Gefühl, dass wir gerade erst mit der Zeitreise begonnen haben.“
Anna drehte sich wieder zur Tafel.
„Ihr müsst herausfinden, was an diesem Tag passiert ist.“
„Und wenn wir es nicht herausfinden?“, fragte Pinoccio.
Anna sah ihn an.
„Dann kommt ihr nicht zurück.“
Amadeus verschränkte die Arme.
„Das wird ja immer besser.“
Anna ging zur hintersten Schulbank und öffnete die Schublade.
Darin lag ein Klassenfoto.
Pinoccio nahm es heraus.
Er erkannte sich selbst.
Die Klasse.
Den Lehrer.
Anna.
Doch mitten in der hintersten Reihe stand noch jemand.
Eine Person, die dort niemals gewesen war.
Pinoccio wurde blass.
„Diese Person war damals nicht in meiner Klasse.“
Mausi beugte sich über das Foto.
„Wer ist das?“
Pinoccio drehte das Bild um.
Auf der Rückseite stand nur ein Satz:
Sie war lange still. Vielleicht ist es nun an der Zeit, dass sie sich etwas genauer mit dieser Geschichte beschäftigt.
Darunter stand ein Name.
bluemchen_88
Pinoccio betrachtete den Namen einen Moment und musste leicht schmunzeln.
„Nun, Sie wollten doch vor Kurzem noch wissen, wohin diese Geschichte führt und ob sie irgendwann ein Ende nimmt.“
Er legte das Klassenfoto auf das Lehrerpult.
„Wie es aussieht, erhalten Sie nun die Gelegenheit, dieser Frage persönlich nachzugehen.“
Dann sah er noch einmal zur Tafel.
„Und wer weiss, vielleicht stellen Sie dabei fest, dass ein Ende im Augenblick noch gar nicht nötig ist.“